Radiobeitrag „Neues aus der Evangelischen Kirche in Düsseldorf“ über die Digitalen Chorproben mit Markus Maczewski zum Nachlesen und Nachhören.

 

Digitale Chorprobe im Wohnzimmer des Kantors
Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Süd singt mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auch in der Coronazeit

Das Chorangebot der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Süd finden Interessierte online unter https://evangelisch-in-duesseldorf-sued.de/

Kantor Markus Maczewski vor dem heimischen Bildschirm bei der Online-Chorprobe. Ehefrau Susanne begleitet den Gesang am Flügel. Foto: Andreas Vollmert

Wersten/Holthausen (evdus). Seit Monaten sind viele Gemeindehäuser und Kirchen geschlossen – vor allem für Chorproben und Konzerte. Deshalb weichen Kantorinnen und Kantoren aus auf das virtuelle Singen im Internet. Das aber hat seine Tücken, stellen viele Chorleitende fest.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Kirchengemeinde Düsseldorf-Süd kommen derzeit wöchentlich zur Videoprobe zusammen. Kantor Markus Maczewski und seine Frau Susanne erwarten die Gruppen virtuell in ihrem heimischen Musikzimmer. Rund ein Dutzend Kinder im Grundschulalter versuchen zu Hause, ihre Laptops und Handys in Position zu bringen – das gelingt nicht immer. Dann bleibt der Bildschirm schwarz. „Jetzt zeige ich Euch den Text. Wer möchte lesen,“ fragt der Chorleiter und klickt das Liedblatt auf die Oberfläche, damit es alle sehen können. Einige melden sich und tragen im Wechsel vor. Danach heißt es „Lautsprecher ausschalten“, denn wirklich gemeinsam singen und dabei die anderen Stimmen zu hören ist nicht möglich. „Das liegt an technischen Verzögerungen im Internet,“ erklärt Maczewski und schaltet demonstrativ alle Mikrofone an. Ein chaotischer Stimmensalat geht über seine Lautsprecher. 

Die Tücken der Technik beim Online-Singen

„Die jetzigen Proben laufen so ab, dass ich hier singe und auf den Bildschirmen sehen kann, wie die Kinder -später als ich- den Mund bewegen. Welche Töne sie dabei produzieren kann ich nicht hören, wie die Tonhöhe ist, ob laut oder leise, kann ich nicht beurteilen.“ Er findet das schade, aber nicht änderbar.

Seine Frau begleitet ihn und die Chöre am Flügel. Ab und zu steht sie auf, bietet Bewegungs- und Atemübungen an. Mit der Distanz zu den Singenden kommt sie nur schwer klar, gibt sie zu. „Das ist was Anderes, wenn ich neben einer Sängerin oder einem Sänger bin und korrigieren kann. Technisch bin ich nicht so versiert, dass ich alles über den Computer nah bringen kann. Ich kann nur hoffen, dass viel rüberkommt und dass die Kinder bei der Stange bleiben.“

Chorwerk zum Gedenken ans Kriegsende vor 75 Jahren für den Herbst geplant

Rund 30 Minuten dauert die Probe. Die nächste Gruppe wartet bereits vor dem Bildschirm. So geht das über mehrere Stunden. Markus Maczewski empfindet diese Art des Umgangs belastend, denn für alle ist kein qualitativ hörbares Ergebnis zu erzielen. Hinzu kommt, dass Singen im Gottesdienst oder ein Konzert absehbar nicht möglich sind. Dennoch hat er Pläne für dieses Jahr: „Ein großes Chorwerk, das ich mit meiner Kantorei aufführen wollte zum Gedenken ans Kriegsende vor 75 Jahren, mussten wir absagen. Das habe ich mir jetzt für den Herbst vorgenommen. Mal abwarten, was dann gehen wird.“

Die Kinder verabschieden beide mit einem Segenslied, das alle kennen und bei dem der ganze Körper eingesetzt werden kann. In den Augen der Gesichter auf dem Bildschirm ist ein Strahlen zu sehen. Natürlich wollen alle in der kommenden Woche wieder dabei sein – und verabschieden sich mit hektischem Winken und einem lauten „Tschööööö!“

Andreas Vollmert