Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Bohlabela/Südafrika
und dem ehemaligen Kirchenkreis Düsseldorf-Süd
heute Partnerschaft des Kirchenkreises Düsseldorf

Der Partnerkirchenkreis Bohlabela:

Der Kirchenkreis Bohlabela gehört zur Nord Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Südafrika (Evangelical Luthern Church in Sou­thern Africa – ELCSA), deren Bischofssitz in Pietersburg/Polokwane liegt. Die ELCSA ist eine Kir­che schwarzer Christen, die durch das Berliner Missionswerk (BMW) gegründet wurde und seit Anfang der 1970er Jahre selbständig ist. Die Mehrzahl der Partnerschaften des BMW liegen bei den Kirchenkreisen und Gemeinden der Ber­lin-Brandenburger Kirche.

Geographisch erstreckt sich der Kirchenkreis Bohlabela auf das Gebiet zwischen Burgersfort (NW), Kgautswane (N), Arcornhoek (NO), Lydenburg/Mashishing (W), Nelspruit/White River (S) und dem Küger-Nationalpark (O) in der Provinz Mpumalanga (früher Osttransvaal), einige der nördlichen Gemeinden liegen bereits in der Provinz Limpopo.

Der Kirchenkreis besteht aus 10 Gemeinden (Akornhoek, Bosmo, Kgautswane, Mashishing/Lydenburg, Matibidi, Mbombela/Nelspruit, Sabie, Tswetlane (Burgersfort), Tubatse (Burgersfort), White River) deren zum Teil zahlreiche Gemeindebezirke wiederum flächenmäßig oft weit verstreut liegen. Sie liegen in ehemaligen Townships und Home­lands, in Gebieten, in die die Schwarzen vom Apartheidsregime zwangsumgesiedelt wurden. Überwiegend gehören die Kirchenmitglieder dem Stamm der Northern Sotho an, deren Sprache auch prägend in Gemeinde und Gottesdiensten ist (eine durchgängige Verständigung in englischer Sprache ist nicht möglich). 

Geschichte der Partnerschaft:

Im Dezember 1979 beschloss der Kirchenkreis Düsseldorf-Süd, Kontakt zur Evangelisch-Lutherischen Kirche im südlichen Afrika aufzunehmen. Man erhoffte sich mit der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) „eine Verlebendigung des ökumenischen Bewußtseins in den Gemeinden“. „Außerdem kann es durch solche Direktkontakte gelingen, dem missionstheologischen Konzept der ‘‘Mission im Zweibahnverkehr‘‘ praktisch etwas näher zu kommen. Je intensiver solche Kontakte werden, desto deutlicher zeigt sich nämlich, daß wir Christen in Deutschland keineswegs nur die Gebenden sind, sondern von unseren Glaubensbrüdern in Übersee sehr viel empfangen können.“ (Zitate aus dem Brief des KSV an die Gemeinden vom 28.4.1980)

In der Vorlage „Partnerschaftsbeziehungen zwischen Kirchenkreisen und Überseeischen Kirchen und Gemeinden“ der Missionsleitung der VEM, Wuppertal 1976, heißt es dazu u.a.:

  • Sie zielt „auf ein besseres gegenseitiges Verstehen der Menschen verschiedener Kulturkreise und Kontinente und auf ein stärkeres Zusammenwachsen der Christen in gemeinsamer Mission“.
  • „Gemeinden konkretisieren ihr missionarisch-ökumenisches Engagement durch Übernahme von finanziellen Verpflichtungen für Projekte der überseeischen Partnerkirchen.
  • Besucher aus überseeischen Partnerkirchen schaffen und vertiefen Kontakte.
  • „Die Formen konkreter Partnerschaften wollen eine Weitung des Horizontes bewirken, nämlich Verantwortung füreinander zu übernehmen und wechselseitig vom Glauben der anderen zu lernen.“
  • „Partnerschaft lädt zu einem gegenseitigen Lernprozeß ein, in dem sich die verschiedenen Seiten trotz verschiedener kultureller Lebensweisen als gleichwertige Partner anerkennen und schätzen lernen.
  • In partnerschaftlicher Begegnung werden die europäischen Gemeinden eingeladen, ihre Lebenswerte und Traditionen hinterfragen zu lassen.“
  • Es soll auf das Glaubenszeugnis der Partnerkirchen gehört werden und eine geistliche Gemeinschaft entstehen.
  • „Ziel der partnerschaftlichen Begegnung ist gegenseitiges Kennenlernen und Zusammenwachsen von Christen, die um die Gestaltung der missionarischen Dimensionen ihres Glaubens bemüht sind.“

1980 ist der Posaunenchor der ELCSA Norddiözese auf einer Deutschlandreise im Juni zu Gast im Düsseldorfer Süden, um die ersten Kontakte aufzunehmen.

1982 gab es die erste Reise nach Bohlabela durch das Ehepaar Körber. Sie bringen die Rückmeldung des Dean mit, daß „gelebte und erlebte Partnerschaft wesentlich wichtiger und effektiver wäre als bloße finanzielle Transaktionen („We don’t want blind money“).“ (Protokoll der Sitzung des Synodalausschusses für Ökumene und Weltmission vom 18.10.1982)

Die erste Delegation aus Bohlabela besucht Düsseldorf im Juni 1983.

Anfangs bestand die Partnerschaft als „grassroot“-Partnerschaft mit Einzelkontakten mit mehr oder weniger regem Briefaustausch zwischen den Gemeinden aus dem KK-Süd und dem KK-Bohla­bela (diese direkten Gemeindekontakte wurden Ende der 90er Jahre wieder auf die Kirchenkreisebene genommen), Paketen mit Kleiderspenden (auf Wunsch der Partner) und Spenden für Projekte wie Kirch­bau (Gemeindebezirk Dullstrom, zugehörig zu Mashishing/Lydenburg), Unterstützung für die Sa­nierung von Kirchen und Pfarrhäuser, die Finanzierung eines Gemeindeautos oder einen Brun­nenbau. Diese erste Zeit war geprägt von der Apartheid, das vorurteilsfreie Miteinander auf Augenhöhe von den weißen Partnern und den Schwarzafrikanern wurde als großes Geschenk wahrgenommen („Ihr habt aus uns Menschen gemacht.“). Die Delegationen aus Düsseldorf waren zum Teil gezwungen, außerhalb der Homelands in „weißen“ Hotels zu übernachten.

Nach Ende der Apartheid suchte man nach Wegen, Selbsthilfeprojekte zu unterstützen. Es kon­kretisierte sich die Idee, die Landschenkung „Spekboomfarm“ zu kultivieren, so dass die Partner in Eigenverantwortung eine Obst- und Gemüseplantage mit Schule inkl. Schülerspeisung entwickeln. Dafür wurden in den 90ern Spendengelder gesammelt und die nötigen Kontakte (u.a. THW für Brunnenboh­rung) geknüpft. Doch leider wurde das Projekt durch die Partner nicht konsequent durchgehalten (mangels Erfahrung, Bildung und Anleitung). Endgültig zunichte gemacht wurde es durch die Ansiedlung „wilder Siedler/Landbesetzer“ (squatter), der sich die Gemeinden hilflos ausgesetzt fanden. Kon­flikte mit weißen Farmnachbarn um die Wassernutzung kamen hinzu (Folgen der Apartheid). Doch es verbot sich auch, von deutscher Seite einzugreifen, da dies als „weiße Bevormundung“ miss­verstanden worden wäre und in eine neuerliche Abhängigkeit geführt hätte. 2018 stand schließlich im Raum, daß das Land von der Regierung konfisziert würde.

Das Problem der Bildung und beruflichen Befähigung sowie der Schwierigkeit, „weißes“ Wissen und Know how zu transportieren besteht aufgrund der tiefen Verletzungen durch die Apartheid bis heute. Einerseits ist man stolz, ehemalige Missionskirche zu sein, andererseits ist die Selbständig­keit sehr wichtig, so dass auch Projekte durch das BMW sehr kritisch betrachtet und manches Mal auch abgelehnt werden.

Aufgrund dieser Probleme, aber auch von Korruptionsfällen innerhalb der Diözese ist die Partnerschaft zeitweilig zum Erliegen gekommen.

Ein ehemaliger Supermarkt wird Gemeindehaus und Kirche in Matibidi 2018

Beruhend auf den Erfahrungen mit Selbsthilfeprojekten, insbesondere der Spekboomfarm, sind keine weiteren Spenden für spezielle Großprojekte mehr gesammelt und transferiert worden, sondern hat der KK Süd in den letzten Jahren seines Bestehens jährlich einen Betrag von 5.000 € für die zielgerichtete und kurzfristige Ver­wendung innerhalb des Kirchenkreises und der Gemeinden (v.a. für diakonische Projekte) über­wiesen. Über die Verwendung der Gelder hatte der dortige Partnerschaftsausschuss zu entschei­den und uns zu berichten, was auch regelmäßig geschah.

Frühstücksbuffet für die Gäste in Alverton Gemeinde Tubatse

In den letzten Jahren haben wir diakonische Projekte der Women‘s League gefördert und wurden über die Verwendung ausführlich z.B. beim Besuch 2010 informiert.
Für die Zukunft wollen wir das, nach Rücksprache und Vorschlag von Dean Takalani Matsenene, wie folgt halten (Arbeitskreis Südafrika am 12.7.2016):
Die Auswahl der Projekte steht im Ermessen der Kirchenkreisleitung unter Vorsitz des Dean. Die Gemeinden des Partnerkirchenkreises werden seitens des Dean aufgefordert, Projekte zu benennen, die aus ihrer Sicht gefördert werden sollten.
Der „Inhalt der unterstützenden Arbeit“ soll zum einen diakonische Projekte umfassen, wie wir sie bisher von der Women’s League her unterstützt haben (diakonische Projekte: HIV und Aids, Familien, Bedürftige, Waise, Senioren, Besuche, und Fortbildung der ehrenamtlichen für diese Projekte) als auch solche anderer Art, z.B. Unterstützung der Gemeindearbeit und der Ausgestaltung und Verbesserung der Räumlichkeiten der Gemeinden.
Begründung: Auf dem Hintergrund, dass wir Gebäude aufgeben, schließen und verkaufen, die Gemeinden dort aber mehr Gebäude und instandgesetzte Gebäude für den Gemeindeaufbau benötigen und die Gemeinden auf einer großen Fläche verteilt sind, wollen wir mit einem Teil des Geldes auch den Erhalt und die Instandsetzung der Kirchen und Gemeindehäuser unterstützen.
Wir werden durch den Dean über die Verwendung der Gelder informiert.

Moremela Gemeinde Matibidi 2010

Moremela 2018

In den letzten Jahren war vor allem der geistliche Austausch und die Fürbitte füreinander ein wich­tiges Anliegen der Partner.

Partnerschaftsbesuche:

Delegationen aus Südafrika: 1983, 1991, 1996, 1997 (Jugend), 2002, 2004, 2012, 2016
Delegationen aus Düsseldorf: 1982, 1989, 1994, 1999 (Jugend), 2005, 2010, 2018

Singende Frauenhilfe vor einer Kirche in der Gemeinde Bosmo 2018

Partnerschaftsgottesdienst:

Zur Intensivierung des Bewusstseins der Partnerschaft und zur Förderung des geistlichen Austausches, wurde in den letzten Jahren regelmäßig zur gottesdienstlichen Feier des Partnerschaftssonntages am Sonntag nach Trinitatis mit Vorberei­tungs- und Infomaterialien und Fürbittenwünschen aus beiden Partnerkirchenkreisen eingeladen. 

Vorstellung in Mashishing 2018

Projekt „Taufkreuz“:

Beim Besuch in Bohlabela 2005 haben wir jeder Gemeinde ein Glaskreuz in den Farben des Re­genbogens als Gastgeschenk und Zeichen unserer Verbundenheit mitgebracht. In vielen Gemein­den des ehemaligen KK-Süd hängen ebenfalls diese Kreuze.

Daraus ist die Idee erwachsen, jedem Täufling in unseren Gemeinden sowie im Partnerkirchen­kreis ein kleines buntes Glaskreuz zur Taufe zu schenken, um darüber die Partnerschaft im Leben und Denken der Gemeinden lebendig zu halten und weiter zu tragen.

Über die Jahre verschwand leider dieses Projekt, da sich nur wenige Gemeinden daran beteiligten.

Gemeinde in der Kirche von Makofane Gemeinde Tswetlane 2018

Zielsetzung unserer Ökumenischen Partnerschaft:

Wir gehen davon aus, dass wir von unseren Partnern und Partnerinnen etwas lernen können und wollen: „Weiße“ lernen von „Schwarzen“ – auf Augenhöhe. Christen und Christinnen in Deutschland von Christen und Christinnen in Bohlabela.
Dadurch wird es uns hier bei uns neu und anders möglich Defizite und Stärken zu erkennen – Vor- bzw. Nachteile neu zu sehen.

Wir brauchen diese Partnerschaft für unseren eigenen Glauben, für unsere eigene Entwicklung (auch durch Korrektur), für unser Glaubensleben, für unsere Zukunft – auch wenn scheinbar nur ein kleiner Kreis erreicht wird bzw. sich interessiert zeigt. Bei Besuchen sind immer Menschen bereit Gäste aus Bohlabela aufzunehmen und es finden viele Begegnungen statt.

Ein kleiner Kreis und nur wenige Interessenten sind aber kein Gradmesser für Sinn und Effektivität der Partnerschaft. Leider hängt es eben immer an den Einzelnen, die sich engagieren, denn es ist ein Thema unter vielen anderen im Kirchenkreis (so ist das aber auch eine Form von Aufgabenteilung).

Die Partnerschaften gehören zur Ökumene, zeigen die weltweite Christenheit.
Für das Reich Gottes heißt es in einem Gleichnis „sie werden kommen aus Osten und Westen…“
Somit sind die Partnerschaften ein Zeichen unserer Katholizität.
Ökumene und Partnerschaft sind so Wesensäußerung von Kirche
Damit gehört Partnerschaftsarbeit zur Ekklesiologie: unterschiedliche Form von Kirche und Kirche-Sein werden erlebt: wie anders gestaltet sich Gemeinde und Kirche unter den jeweiligen Umständen. Die andere Form von Kirche ist dabei auch eine Herausforderung für uns: Wie gehen wir miteinander um als Menschen, Christen, Partner? Wie können wir mit wenig Geld trotzdem Kirche Jesu Christi sein?
Wir erhalten dabei zugleich eine Außensicht auf uns und unser „System“ / Zusammensein / Art Kirche und Gemeinde / Christ und Christin heute zu sein.

Zudem fordern uns Veränderung und Bewahrung, die Herausforderung der Globalisierung gemeinsam heraus, damit wir so an unterschiedlichen Orten Salz der Erde sind. Auch die Fragen von Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sollen nicht vergessen werden, sowie unsere Verpflichtungen aus einer schwierigen europäischen Kolonialgeschichte, die bis heute Nachwirkungen in Südafrika hat.

Partnerschaft muß jedoch ein Gesicht bekommen, sichtbar sein und werden.
In den Besuchen, im Erleben hier und dort, können wir die Unterschiede und Gemeinsamkeiten entdecken.
Das ist etwas anderes als Tourismus, sondern ein interner Blick, Einblicke, Einstieg ins Leben, in den Alltag vor Ort. Dieser ist so nicht mehr mittelbar sondern unmittelbar/live/aktuell.
So beeindruckt der starke Stellenwert von persönlichen Segnungen, Musik und Tanz, Gebetstraditionen; sowie die Fröhlichkeit, Lebendigkeit (sicherlich auch eine Mentalitätsfrage).
In und durch unsere Begegnungen und das Wissen und Hören vom Anderen erweitert sich unser Menschsein – bringt uns weiter in unserem Menschsein, geschieht Horizonterweiterung (Kennenlernen anderer Menschen, Kulturen,…)
Von persönlicher Anschauung berichten zu können, ermöglicht uns über den Tellerrand zu blicken.
Begegnung ist (leider aus finanziellen Gründen) selten, deshalb aber äußerst wichtig für unser Kirche-Sein, zum Lernen, für unsere Bildung.
Partnerschaft lebt von Begegnung, persönlichen Kontakten.
Eine Ausweitung von Besuchen (wie in der Partnerschaftsvereinbarung 2010 angedacht) wäre daher grundsätzlich wünschenswert.
In Zeiten der Begegnungen ist Partnerschaft dann auch präsent in den Gemeinden (hier wie dort). Daher hatten wir uns das Ziel gesetzt: Begegnungen in engeren Zeitabständen – das ließ sich bisher leider nicht umsetzen.

Wir stellen uns gleichzeitig damit unserer historischen Verantwortung in unserer Missionsgeschichte; lösen uns davon und lernen neu, eigene Wege zu gehen.
Es gibt die unterschiedlichen Erfahrungen des Wachsens und Weniger-Werdens; Konkurrenzdruck ist ein Phänomen beider Seiten – vielleicht lernen wir aus ähnlichen Situationen bis hin zur Erfahrung (schon in Südafrika) der Minderheitssituation.
Unser Missionsverständnis ist in einer Neuentwicklung begriffen. Dazu erinnern wir uns an die gemeinsame Taufe mit dem Taufbefehl – darauf wurden wir in der Begegnung im Mai 2016 konkret angesprochen.
Das wird möglich durch biblische Erfahrungen anhand von Bibelarbeit/Bibelgespräch/Bibelteilen, d.h. Erkenntnisse und Bekenntnisse teilen und auswerten aufgrund der unterschiedlichen Kontexte, Kulturen, Geschichten und Erfahrungen – über die gemeinsame Grundlage der Bibel.
Und wenn zu Mission Begegnung gehört, dann ist es hier sichtbar und spürbar, können Alltag und Erfahrungen geteilt werden.

Auch das gehört dazu: wir wollen helfen (entwicklungspolitisch, finanziell, Bildung, Projekte,…) – unseren Vorstellungen aber fehlt der kulturelle Hintergrund, wenn wir auf die Medien beschränkt bleiben und keinen direkten Austausch haben. Daher sammeln wir auch Spenden für die Menschen und ihre Arbeit vor Ort. Interkulturelles Lernen ist eine Herausforderung unserer Zeit!

Neuer Deah Seth Masola, Pfarrerin Nieland-Schuller, alter Dean Takalani Matsenene 2018

Gottesdienstmitwirkende Sabie 2018